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Obstsorte des Jahres 2022: Niederhelfenschwiler Beeriapfel

Die diesjährige Sorte des Jahres ist der rote Niederhelfenschwiler Beeriapfel. FRUCTUS – der Verein zur Förderung alter Obstsorten – stellt damit eine ausgezeichnete, fast verschwundene Apfelsorte in den Mittelpunkt.

Der Niederhelfenschwiler Beeriapfel steht stellvertretend für die grosse Zahl lokaler Obstsorten, die trotz guten Eigenschaften nie den Weg über eine Region hinausgefunden haben. Viele davon sind längst verschwunden und auch vom Niederhelfenschwiler Beeriapfel existierten nur noch vereinzelte, von engagierten Landwirten gepflegte Bäume. Dank mehrerer Initiativen ist der Beeriaapfel nun daran, in die Obstgärten zurückzukehren.

Gesunder Baum, gute Fruchtqualität
Der Beeriapfelbaum kann aber auch etwas eigensinnig sein. Er neigt dazu, abwechselnd an einzelnen Ästen Früchte zu tragen und reagiert empfindlich auf zu starken Schnitt. Sein Blattwerk ist jedoch robust und wenig anfällig für Pilzkrankheiten. Damit eignet er sich gut für den extensiven Feldobstbau.

Reife Beeriäpfel fallen zuerst durch ihre schöne Färbung und den intensiven Duft auf. Sie sind klein, kugel- bis kegelförmig und von grüngelber Grund- und rot bis dunkelroter Deckfarbe. Das Fruchtfleisch ist fest, saftig und hat ein intensives Aroma. In den ersten Wochen nach der Ernte ist der Beeriapfel ein fruchtig spritziger Tafelapfel, der sich gut lagern und in der Küche verarbeiten lässt. Das Fruchtfleisch bleibt dabei fest und erhält, wenn es mit der Schale gekocht wird, eine zartrosa Farbe.

Trotz Qualität eine regionale Sorten
Dass der Beeriapfel auch ein ausgezeichneter Mostapfel ist, wurde erst mit dem Aufkommen der Süssmostproduktion entdeckt. In den Dreissigerjahren wurden Umpfropfungen mit dem Beeriapfel sogar mit Beiträgen der eidgenössische Alkoholverwaltung bedacht. Lokale Mostereien interessierten sich für den aromatischen Apfel und kauften ihn den Produzenten während Jahrzehnten sortenrein und zu einem besseren Preis ab. Trotzdem blieb der Beeriapfel eine regionale Sorte und wurde mit der Zeit von ertragreicheren Varietäten verdrängt.

Wiederentdeckt in Niederhelfenschwil
Mitte der Neunzigerjahre wurde der Verein Naturschutz Niederhelfenschwil-Zuzwil auf das langsame Verschwinden der ortseigenen Sorte aufmerksam. Der Verein organisierte die Produktion von 140 hochstämmigen Beeriapfelbäumen, die in der Region problemlos Absatz fanden. Einige Jahre danach finanzierte die Gemeinde Niederhelfenschwil die Virusfreimachung der Sorte, um die Jungbaum-Produktion in den Baumschulen zu ermöglichen und die Qualität der Jungpflanzen sicherzustellen. Dank dieser Aktion sind nun seit 2017 in verschiedenen Schweizer Baumschulen zertifizierte Beeriapfelbäume erhältlich.

Sortenreiner Apfelsaft
In den Beschreibungs- und Nutzungsprojekten, die von FRUCTUS und Agroscope zu alten Obstsorten durchgeführt werden, machte der Beeriapfel mit guten Resultaten bei Baumgesundheit, Frucht- und Saftqualität auf sich aufmerksam. Er wurde als förderungswürdige Sorte bezeichnet und 2020 ins FRUCTUS-Projekt Promotion von Obstgenressourcen aufgenommen. Gemeinsam mit der Gemeinde Niederhelfenschwil organisierte FRUCTUS die lokale Verarbeitung und Vermarktung der Beeriäpfel.

Das Resultat dieser Zusammenarbeit ist ein feiner, sortenreiner Beeriapfelsaft, der in der Region als Spezialität in die Läden kommt und bald auch als vergorene Variante erhältlich sein wird.

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