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Kirschenlandschaften sind bedroht – von einer kleinen Fliege

Seit 2011 hat die Kirschessigfliege die Schweiz erobert. Dieses Jahr hat sie grosse Schäden an Kirschen verursacht und bedroht damit indirekt die traditionelle Kulturlandschaft.

Hochstammbäume – vor allem die grossen Kirschbäume – sind aus der Baselbieter Landschaft nicht wegzudenken. Zwar hat auch hier der Bestand massiv abgenommen. Doch nirgendwo sonst in der Schweiz ist die Dichte an Hochstammbäumen so hoch geblieben wie im Baselbiet. Auf jeden Bauernbetrieb kommen im Durchschnitt noch immer rund 150 Bäume. Das Baselbiet ist ein Hochstamm-Kanton geblieben.

Das könnte sich rasch ändern. Ein winziges Insekt – die Kirschessigfliege – hat ausgerechnet die Kirsche, aber auch anderes Steinobst und Beeren, zu seiner Lieblingsfrucht erkoren. Mit verheerenden Folgen: dieses Jahr wurden rund zwei Drittel der Industriekirschen-Ernte, die zur Hauptsache von Hochstammbäumen stammt, vernichtet. Die Kirschessigfliege stammt ursprünglich aus Japan, und hat vor vier Jahren wahrscheinlich mit internationalen Obsttransporten auch die Schweiz erreicht. Während die einheimischen Fruchtfliegen ihre Eier nur in schadhaftes und angefaultes Obst legen, stechen die eingeschleppten Kirschessigfliegen gesunde, reife Früchte an. Innert weniger Tagen schlüpfen kleine Maden, fressen sich durch die Frucht und geben ihr mit Ausscheidungen einen Essiggeschmack. Die Entwicklung verläuft rasend schnell. Bereits nach drei Wochen ist eine neue Generation da. So kann sich rasch eine grosse Fliegenpopulation aufbauen. Vor allem später Sorten wie die bekannte Schauenburger-Kirsche können sich dieser Übermacht nicht mehr erwehren.

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Gegen den Schädling ist fast kein Kraut gewachsen. Als einziger wirksamer Schutz haben sich bis jetzt feine Netze erwiesen. Diese aber sind können bei den grossen Hochstammbäumen nicht eingesetzt werden. Im Hochstammanbau verbleiben zurzeit nur Fallen, saubere Ernte, Pflanzenschutz und wie 2015 das Hoffen auf heisses Wetter, das den Fliegen nicht zusagt. Diesen Sommer aber hat das alles nicht genutzt. Die Bauern im Projekt Farnsberg zum Beispiel, die normalerweise Industriekirschen für Konfitüre und Jogurts liefern, mussten einen Totalausfall anmelden. Das hat nicht nur finanzielle Folgen. Obwohl der Hochstammanbau selbst mit den Baumbeiträgen kaum noch rentabel betrieben werden kann, haben viele Baselbieter Bauern ihre Bäume bisher mit viel Herzblut gepflegt. Wenn sich voll behangene Bäume aber innert wenigen Tagen in eine stinkende Masse verwandeln, ist das enorm frustrierend. Für viele Produzenten wird jetzt wohl der Zeitpunkt gekommen sein, sich vom Kirschenanbau auf Hochstammbäumen zu verabschieden.

In den letzten Jahren haben es die Labelorganisation Hochstamm Suisse und viele kleinere Projekte geschafft, wieder einen Absatz für Hochstammkirschen zu schaffen. Jogurts und Wähen mit Baselbieter Hochstammkirsche kann man heute zum Beispiel bei Coop kaufen. Ausgerechnet jetzt macht uns die Kirschenessigfliege einen Strich durch die Rechnung. So lange kein Mittel gegen den Schädling gefunden wird, sind Hochstammkirschen kaum noch wirtschaftlich zu nutzen. Und was nicht genutzt wird, verschwindet meist, ist Hochstamm Suisse überzeugt. Mit den Bäumen verschwinden auch der Lebensraum für viele bedrohte Tierarten und die Baselbieter Kulturlandschaft, wie wir es kennen. Im Moment bliebt nur das Hoffen: Hoffen auf ein probates Mittel gegen die Fliege und hoffen auf die Geduld der Bauern, so lange mit dem Roden noch zuzuwarten. (7. Septmeber 2016)

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